Projekt: Heimatkunde. Westfälische Juden und ihre Nachbarn. Jüdisches Museum Westfalen, Dorsten. 2014. Foto: Rüdiger Hornkamp

Förderschwerpunkt 2021: Jüdisches Leben in Deutschland

Bundesweit wird das kommende Jahr zum Deutsch-Jüdischen Jahr ausgerufen, das unter dem Titel „2021: Jüdisches Leben in Deutschland“ ein vielfältiges Programm aus Kultur und Gesellschaft zur Geschichte und zum heutigen Leben von Jüdinnen und Juden in der Republik gebündelt präsentiert. Die LWL-Kulturstiftung beteiligt sich mit einem Förderschwerpunkt an diesem Themenjahr.

DAS JUBILÄUM

Seit 1.700 Jahren leben Jüdinnen und Juden nachweislich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Am 11. Dezember 321 erlässt der römische Kaiser Constantin ein Edikt, das festlegt, dass Juden städtische Ämter in der Kurie, der Stadtverwaltung Kölns, bekleiden dürfen und sollen. Diese Urkunde belegt eindeutig, dass jüdische Gemeinden bereits seit der Spätantike wichtiger, integrativer Bestandteil der europäischen Kultur sind. Eine frühmittelalterliche Handschrift dieses Dokuments befindet sich heute im Vatikan und ist Zeugnis der mehr als 1.700 Jahre alten jüdischen Geschichte in Deutschland und Europa. So wirkt anlässlich dieses Datums von Köln ausgehend das Themenjahr „2021: Jüdisches Leben in Deutschland“ mit Veranstaltungen, Diskussionen und Ausstellungen in die gesamte Bundesrepublik.

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GEFÖRDERTE PROJEKTE

In einer ersten Förderrunde im Mai 2020 hat das Kuratorium entschieden, diese Projekte zu fördern:

 

Die Linse – Verein zur Förderung kommunaler Filmarbeit e.V., Münster: Veranstaltungsreihe „Jüdisches Leben in Deutschland vor und nach 1945“

Der Verein zur Förderung kommunaler Filmarbeit Die Linse richtet mit einer Veranstaltungsreihe den Blick auf die lebendige jüdische Kultur und das Judentum im heutigen Deutschland. Das Programm aus Filmen, Vorträgen und Gesprächen wird im Frühjahr nächsten Jahres stattfinden.

Historische Kommission für Westfalen, Münster: Fortschreibung des „Historischen Handbuchs der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“

Das 2016 von der Historischen Kommission für Westfalen veröffentlichte "Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe" zieht mittlerweile neue Ergebnisse von Autorinnen und Autoren und Regionalforscherinnen und -forschern nach sich. Die digitale Fortschreibung dieses Handbuchs, die das Sammeln, Auswerten und Veröffentlichen der neuen Erkenntnisse umfasst, sowie für ein wissenschaftlicher Workshop werden von der LWL-Kulturstiftung unterstützt.

Literaturkommission für Westfalen, Münster: Szenische Lesungen „Um zu erleben, was Geschichte ist, muss man Jude sein“. Die deutsch-jüdische Schriftstellerin Jenny Aloni (1917-1993)

Szenische Lesungen zum Werk der deutsch-jüdischen Schriftstellerin Jenny Aloni (1917-1993) organisiert die Literaturkommission für Westfalen im Frühjahr nächsten Jahres. An acht Orten in Westfalen-Lippe und im angrenzenden Rheinland liest der Schauspieler und Rezitator Carsten Bender aus Gedichten, Erzählungen und Romanen der bedeutenden deutschsprachigen Schriftstellerin, die 1939 nach Israel emigrierte.

Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Dortmund: „Felix Wolfes – Wiederbegegnung mit Leben und Werk eines in Dortmund wirkenden jüdischen Komponisten“

Anlässlich des 50. Todestages des Komponisten Felix Wolfes bespielt das Museum für Kunst und Kulturgeschichte in Dortmund am 28. März 2021 einen Tag lang verschiedene Stationen mit Interventionen zu Lebensgeschichte und Werk des ehemaligen Direktors der Oper an den Städtischen Bühnen Dortmund. Aus seinem engen Austausch mit Lehrern und Kollegen wie Max Reger, Richard Strauß, Hans Pfitzner, Bruno Walter und Wilhelm Furtwängler geben rezitierte Briefe Aufschluss über das Leben des jüdischen Kulturakteurs, der nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach Frankreich fliehen konnte und später in die USA immigrierte.

LWL-Medienzentrum für Westfalen, Münster: Medienprojekt für Schulen „Auf den Spuren jüdischen Lebens in Westfalen-Lippe“

Mit einem wachen und bewussten Blick begeben sich Schülerinnen und Schüler von rund 25 weiterführenden Schulen in der Region gemeinsame mit dem LWL-Medienzentrum "Auf den Spuren jüdischen Lebens in Westfalen-Lippe". Abseits der Lehrpläne entdecken die Teilnehmenden die vielseitigen und bis weit in die Geschichte gehenden kulturellen Spuren jüdischen Lebens in verschiedenen Gemeinden in Westfalen-Lippe. Medial aufgearbeitet fließen die Entdeckungen in digitale Orts-Rallyes ein, die für Schulen nutzbar sind.

LWL-Preußenmuseum Minden, Minden: Ausstellung „Jüdisch? Preußisch? Oder was? Beziehungen und Verflechtungen im 18. und 19. Jahrhundert“

Kurz nach der Neueröffnung des LWL-Preußenmuseums in Minden 2021 startet das Haus mit der Ausstellung "Jüdisch? Preußisch? Oder was?" auch sein thematisch wechselndes Ausstellungsprogramm. Multimedial und interaktiv werden Fragen aufgearbeitet, die Verflechtungen vom jüdischen und preußischen Leben im 18. und 19. Jahrhundert auf den Grund gehen. Jüdisch als Religionszugehörigkeit, als soziale Herkunft oder als kulturelle Zugehörigkeit im preußischen Reich - diese Aspekte werden in der Ausstellung mit Hilfe von Objekten, die von den Kontexten der Verflechtungen erzählen, sowie Positionen und Debatten preußischer Administration und jüdischer Philosophen, Aufklärern und Gelehrten präsentiert.

Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur, Lichtenau: Festival „Sommernachtslieder“. Literarisch-musikalischer Abend zur jüdischen Lied- und Schlagertradition in Deutschland

Vor der Kulisse des historischen Ehrenhofs im Kloster Dalheim ertönen 2021 im Rahmen des Freiluftfestivals "Sommernachtslieder" Werke jüdischer Künstlerinnen und Künstler. Damit würdigen die Veranstalter die bedeutende jüdische Lied- und Schlagertradition in Deutschland, die insbesondere in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts die populäre Musik im deutschsprachigen Raum prägte. Ein Ensemble der Musikhochschule Detmold präsentiert am Abend bekannte Versionen und Neuinterpretationen jüdischer Lieder begleitet durch literarische Inszenierungen.

Verein für jüdische Geschichte und Religion e.V., Dorsten, Filmprojekt „Jung und jüdisch. Geschichten aus Westfalen und der Welt“

Als Einführungsfilm im Museum soll der 20- bis 30-minütige Film die Vielfalt des heutigen jüdischen Lebens vermitteln und ergänzt damit die Ausstellung des 1992 eröffneten Hauses. Die Aufarbeitung von Themen wie Freizeitgestaltung jüdischer Jugendlicher, jüdische Feiertage und Selbstbild im Alltag in Westfalen und der Welt vermitteln den Alltag jüdischen Lebens. Mehrere Tracks zeigen sowohl dokumentarische Szenen, animierte Fotos und historische Originaltöne als auch Zeichentrick-Sequenzen. Als eigenständiger Film gedacht, wirkt er auch ohne den unmittelbaren Kontext zur Ausstellung im Jüdischen Museum Westfalen in Dortsten.
 

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FÖRDERUNG

Die Antragsfrist für den Förderschwerpunkt ist mit dem 31.08.2020 abgelaufen. Nun entscheidet das Kuratorium der Stiftung am 20. November 2020 über die fristgerecht eingegangenen Anträge.

Gefördert werden Projekte und Kooperationen mit westfälisch-lippischem Bezug. Kulturelle Netzwerke sollen erhalten und ausgebaut werden. Offen ist die Stiftung für Projektförderungen in verschiedenen Kulturbereichen: Bildende Kunst, Theater, Tanz, Musik, Film, Literatur und Landeskunde sowie Projekte in Museen und in der Archiv- und Denkmalpflege. Neben Museen und Kulturvereinen werden ausdrücklich auch jüdische Gemeinden und Kulturvereine zur Beteiligung aufgerufen. In den Fördergrundsätze und Hinweise sind die Kriterien aufgeführt.

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KOOPERATIONSPARTNER

Initiator des Projektes ist der in Köln ansässige Verein „321 – 2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, als dessen Partner tragen die LWL-Kulturstiftung und der Landschaftsverband Rheinland dieses Themenjahr in die Regionen Westfalen-Lippe und Rheinland. „Nur gemeinsam mit vielen Einrichtungen, Organisationen und Aktionen, die Metropolen ebenso wie ländliche Regionen erreichen, können wir ein sichtbares und wirkungsvolles Zeichen setzen gegen antisemitische und fremdenfeindliche Positionen“, erläutert Matthias Löb, Vorstandsvorsitzender der LWL-Kulturstiftung und LWL-Direktor, die Teilnahme an dem Themenjahr.

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PRESSEMITTEILUNG UND -KONTAKT

LWL-Kulturstiftung setzt Förderschwerpunkt für Themenjahr

Bundesweit wird das kommende Jahr zum Deutsch-Jüdischen Jahr ausgerufen, das unter dem Titel „2021: Jüdisches Leben in Deutschland“ ein vielfältiges Programm aus Kultur und Gesellschaft zur Geschichte und heutigem Leben von Jüdinnen und Juden in der Republik gebündelt präsentiert. Mit einem Förderschwerpunkt beteiligt sich die LWL-Kulturstiftung daran und ruft alle Kulturakteure in Westfalen-Lippe auf, durch Projekte dieses Programm mitzugestalten.

Seit 1700 Jahren leben Jüdinnen und Juden nachweislich auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. In Köln ereignete sich im Jahr 321, dass Kaiser Konstantin ihnen urkundlich den Zugang zu Stadtämtern ermöglichte. So wirkt anlässlich dieses Datums von Köln ausgehend das Themenjahr „2021: Jüdisches Leben in Deutschland“ mit Veranstaltungen, Diskussionen und Ausstellungen in die gesamte Bundesrepublik.

Initiator des Projektes ist der in Köln ansässige Verein „321 – 2021: 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“, als dessen Partner tragen die LWL-Kulturstiftung und der Landschaftsverband Rheinland dieses Themenjahr in die Regionen Westfalen-Lippe und Rheinland. „Nur gemeinsam mit vielen Einrichtungen, Organisationen und Aktionen, die Metropolen ebenso wie ländliche Regionen erreichen, können wir ein sichtbares und wirkungsvolles Zeichen setzen gegen antisemitische und fremdenfeindliche Positionen“, erläutert Matthias Löb, Vorstandsvorsitzender der LWL-Kulturstiftung und LWL-Direktor, die Teilnahme an dem Themenjahr.

Verblasste und frische Spuren jüdischen Lebens finden sich zahlreich in der Region Westfalen-Lippe, weiß die LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. Vergangene Förderungen von Kultureinrichtungen wie dem Geschichtsort Villa ten Hompel in Münster und dem Jüdischen Museum Westfalen in Dorsten oder auch der KZ-Gedenk- und Dokumentationsstätte in Porta-Westfalica machen deutlich, dass das Erinnern und der kulturelle Dialog in Westfalen-Lippe und in der Kulturarbeit der Stiftung bereits gelebt werden. „Viele Projekte, Einrichtungen und Aktionen zeigen eindrücklich, dass wir eine Alltags- und Kulturgeschichte teilen – mit vielen Kulturen und Religionen, die hier in unserer Region seit vielen Jahrzehnten, Jahrhunderten und gar Jahrtausenden beheimatet sind“, betont Rüschoff-Parzinger.

Gefördert werden Projekte und Kooperationen mit westfälisch-lippischem Bezug. Kulturelle Netzwerke sollen erhalten und ausgebaut werden. Offen ist die Stiftung für Projektförderungen in verschiedenen Kulturbereichen: Bildende Kunst, Theater, Tanz, Musik, Film, Literatur und Landeskunde sowie Projekte in Museen und in der Archiv- und Denkmalpflege. Neben Museen und Kulturvereinen werden ausdrücklich auch jüdische Gemeinden und Kulturvereine zur Beteiligung aufgerufen. 

Die Antragsfrist ist der 31. August 2020. Damit Förderanträge in Qualität und Machbarkeit bereits bei Antragstellung stimmig sind, beraten die Ansprechpartnerinnen der LWL-Kulturstiftung gern im Vorhinein persönlich.

Pressebilder finden Sie im Newsroom des LWL.

 

Pressekontakt

Anja Tomasoni
Tel.: 0251 591-6929
Mail: anja.tomasoni(at)lwl-kulturstiftung.de

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KONTAKT

Projektberatung "2021: Jüdisches Leben in Deutschland"

Ute Lass
(erreichbar: montags, donnerstags, freitags)
Tel.: 0251 591-6951
E-Mail: ute.lass(at)lwl-kulturstiftung.de

Anja Tomasoni
Tel.: 0251591-6929
E-Mail: anja.tomasoni(at)lwl-kulturstiftung.de

 

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