Die LWL-Kulturstiftung ruft einen neuen Förderschwerpunkt aus: Initiator:innen von kulturellen Projekten in der Region Westfalen-Lippe, deren Vorhaben sich mit dem Thema "(Post)Kolonialismus" beschäftigen, können eine Projektförderung beantragen. Durchführungszeitraum ist 2024.

UNSERE IDEE

Wir möchten damit ein spartenübergreifendes Netzwerkprojekt initiieren, das sich in kulturellen Angeboten dem Themenkomplex des (Post)Kolonialismus widmet. In Kulturveranstaltungen und -angeboten sollen kolonial geprägte Strukturen, Kontinuitäten, Mechanismen und Denkweisen aufgespürt und ihre Spuren im Alltagsleben aufgedeckt und aufgearbeitet werden, nicht nur in Museumssammlungen oder Archiven.

Fragen nach Machtstrukturen und Privilegien in der Kultur sowie den Umgang damit möchten wir bewusst in den ländlichen Raum tragen. So wollen wir mit Impulsen auf regionaler Ebene für bis in die Gegenwart wirkende koloniale Strukturen und Verflechtungen sensibilisieren.

UNSER LEITBILD

Das Leitbild der LWL-Kulturstiftung zum Förderschwerpunkt ist ergänzend zu den bestehenden Fördergrundsätzen der Stiftung zu verstehen. Wir möchten alle Antragsteller:innen wie Kulturinstitutionen, Vereine, bürgerschaftlich organisierte Gruppen u.a. dazu ermutigen, die Kerngedanken des Leitbildes in der Projektausarbeitung zu berücksichtigen und sie als solche erkennbar in den Projekten zu verankern:

  • Die Auseinandersetzung mit dem Thema (Post)Kolonialismus erfordert von uns und allen Beteiligten eine diskriminierungssensible und rassismuskritische Herangehensweise.
     
  • Wir verstehen die Auseinandersetzung mit (post)kolonialen Strukturen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe.
     
  • Wir möchten die deutsche und westfälisch-lippische Kolonialgeschichte und ihre bis heute währenden Auswirkungen kritisch und multiperspektivisch betrachten und dabei tradierte Bilder hinterfragen und neu beleuchten. Dazu gehört auch eine (selbst)kritische Reflexion über weiße Denkmuster und Machtstrukturen.
     
  • Wir möchten zum multiperspektivischen Dialog aufrufen zwischen Kulturakteur:innen der Region, BIPOC-Kulturinitiativen und generell Vereinen und Organisationen, die (post)koloniale Perspektiven und Meinungen vertreten.
     
  • Wir sprechen respektvoll und machtkritisch miteinander und weisen innerhalb der Projektarbeit Teilnehmende und Interessierte darauf hin.
     
  • Wir tragen dieses Leitbild in angemessenem Rahmen nach außen.

FÖRDERMÖGLICHKEITEN

Grundsätzlich gelten die Allgemeinen Förderkriterien der LWL-Kulturstiftung.

Ergänzend dazu sind für die Antragstellung zum Förderschwerpunkt folgende Punkte zu berücksichtigen:

Eine Beratung vor der Antragstellung im Rahmen des Förderschwerpunkts ist ein zentrales Instrument der Antragsvorbereitung und – qualifizierung. Sie ist verpflichtend.*

Das Vorhaben soll im Jahr 2024 durchgeführt werden.

Wesentliche Grundsätze des  Leitbildes sollen angemessen im Projekt berücksichtigt werden.

Haupt-Antragsfrist für die Teilnahme an diesem Förderschwerpunkt ist der 28. Februar 2023. Projekte, die einen längeren zeitlichen Vorlauf benötigen, können nach Beratung auch zur Antragsfrist 31. August 2022 vorgestellt werden.


* Nur in begründeten Ausnahmefällen können Projektanträge ohne vorherige Beratung bei der Förderentscheidung berücksichtigt werden.

BEGRIFFE UND BEDEUTUNGEN

Wir möchten zentrale Begriffe unseres Leitbildes kurz und verständlich erklären. Damit möchten wir alle Interessierten für das Themenfeld Post-Kolonialismus sensibilisieren.

BEGRIFFE UND IHRE BEDEUTUNGEN 

WISSENSCHAFTLICHER BEIRAT

Der Förderschwerpunkt wird von einem wissenschaftlichen Beirat begleitet:

  • Andrea-Vicky Amankwaa-Birago: Kulturwissenschaftlerin und Beraterin für diversitätsbewusste Organisationsentwicklung
  • Prof. Dr. Nikita Dhawan: Inhaberin der Professur für Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Politische Theorie und Ideengeschichte an der TU Dresden
  • Prof. Dr. Andreas Eckert: Historiker, Professor für Geschichte Afrikas an Humboldt-Universität zu Berlin
  • Dr. Larissa Förster: Kultur- und Sozialanthropologin, tätig am Deutschen Zentrum Kulturgutverluste
  • Dr. Noa K. Ha: Postkoloniale Stadtforscherin, wissenschaftliche Geschäftsführung am Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM)
  • Suy Lan Hopmann: Projektreferentin Dekolonisierung der Stadt bei Kulturbehörde Hamburg
  • Nurten Karakaş: Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Zentrum für Bildungsintegration an Universität Hildesheim, tätig im Migration Lab Germany
  • Prof. Dr. Sabine N. Meyer: Professorin für Amerikanistik an Universität Bonn mit Fokus auf Native American & Indigenous Studies
  • Amel Ouaissa: Soziologin mit Schwerpunkt post-koloniale und feministische Theorien, Mitglied des Strategiestabs im Humboldt-Forum
  • Susanne Wernsing: Historikerin und freie Kuratorin, u.a. Rassismus-Ausstellung im Deutschen Hygienemuseum Dresden

ANSPRECHPARTNERIN

Milena Täschner, E-Mail: milena.taeschner(at)lwl-kulturstiftung.de, Tel.: 0251 591-6951